Brevier 2010 (Stand:17.12.2010) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Norbert Hochstrat   

Wegekreuz
Stand 17.12.2010

Brevier 2010

Spirituelle Erfahrungen und menschliche Empfindungen haben sich über die Zeit hinweg in eine Fülle von schriftlichen Zeugnissen niedergeschlagen.
An dieser Stelle wird die Textsammlung, beginnend im Jahr 2009, fortgesetzt. Möglicherweise sind ja auch für Sie wieder ein paar interessante Textstellen dabei.
Inhalt

pfeilr Brevier 2009

pfeilr Zum Jahresbeginn ... von Gabriel Laub

pfeilr Mit offenen Händen ... von Eduard Müller

pfeilr Gebet des Einverständnisses

pfeilr Mensch, lass dich los ... von Alfred Delp

pfeilr Aschenkreuz

pfeilr Wann, wenn nicht jetzt ... von Luiza Sutter-Rehmann

pfeilr Das Trauerspiel von Afghanistan

oder : Nichts ist gut in Afghanistan.

pfeilr Bleib erschütterbar und widersteh

pfeilr Wagt den Aufbruch ins Unbekannte

pfeilr Die nächsten 24 Stunden ... Unbekannt

pfeilr Interview ... Marie-Luise Kaschnitz

pfeilr 1914-1918 ... Rudyard Kipling

pfeilr Sommergedicht ... Thomas Gsella

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

pfeilr Unwiderruflicher Entschluss ... von Roger Schutz

pfeilr Gott ist nicht aus Holz ... von Leo Tolstoi

pfeilr Was es ist ... von Erich Fried

pfeilr Aus dem Gefängnis ... von Dietrich Bonhoeffer

It will be continued !

Fortsetzung folgt !

 

 

 

 

 

 

 










 

 

Zum Jahresbeginn

Der Jubel über den Jahreswechsel ist auch ziemlich banal - schließlich kommt ein neues Jahr jedes Jahr wieder. Jahre sind eine ziemlich solide Ware. Sie werden pünktlich geliefert, und jedes hält, was es verspricht: Genau ein Jahr, keine Sekunde mehr, aber auch keine Sekunde weniger.


Gabriel Laub (1928-98), poln.-dt. Schriftsteller,


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Mit offenen Händen

Herr, hier sind meine Hände.
Lege darauf, was du willst.
Nimm hinweg, was du willst.
Führe mich, wohin du willst.
In allem geschehe dein Wille.


Kpl. Eduart Müller, hingerichtet am 10.November 1943 durch Enthauptung


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Gebet des Einverständnisses

Herr, ich bin einverstanden mit dir, wie du bist,
ganz und gar einverstanden, auch wenn ich dich nicht
verstanden habe noch verstehe.

Herr, ich bin einverstanden
mit mir, ganz innen,
wo du mich nach deinem Bild
geschaffen hast,
weil du mich verstanden hast
und verstehst.

Herr, ich bin einverstanden
mit der Welt, mit ihrem Kern,
weil du ihn heil gemacht hast
- geschaffen und wiederhergestellt.

Herr, ich bin einverstanden
mit dem Kreuz, weil es da, wo es drückt,
von dir schon umfasst ist.

Herr, ich bin einverstanden
mit meinem Auftrag,
weil er von dir ist.
Gleich mache ich mich auf den Weg,
nur schnell noch will ich dir sagen:
ich bin einverstanden.


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Mensch, lass dich los

 
Mensch, lass dich los zu deinem Gott hin,
und du wirst dich selbst wieder haben.

Jetzt haben dich andere,
sie quälen dich und erschrecken dich und
jagen dich von einer Not in die andere.

Das ist dann die Freiheit, die singt:
- uns kann kein Tod nicht töten.
Das ist dann das Leben,
das ausfährt in die grenzenlose Weite.

Mensch, lass dich los zu deinem Gott hin,
und du wirst dich selbst wieder haben.


Alfred Delp, Jesuit, kurz vor seinem Tod
Hingerichtet am 02.02.1945 in Berlin-Plötzensee

 

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Aschenkreuz

Aschenkreuz auf meiner Stirn
Zeichen der Vergänglichkeit
Erinnerung an ein hell brennendes Feuer
Palmzweige in den Händen
dem Messias zujubeln

Aschenfeuer

In der Asche stochern
Die restliche Wärme fühlen
Der glimmenden Glut neues Leben einhauchen

Vierzig Tage, um Feuer zu fangen
Meinen Schatten mich stellen
Licht spüren
Feuer werden
Wärme spenden

 

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Wann, wenn nicht jetzt

Wir sind auf der Suche
nach der Kraft,
die uns aus den Häusern,
aus den zu engen Schuhen,
und aus den Gräbern treibt.

Aufstehen und
dem Leben mich in die Arme werfen
nicht erst am jüngsten Tag,
nicht erst, wenn es nichts mehr kostet
und niemandem mehr wehtut.

Sich ausstrecken nach allem,
was noch aussteht
und nicht nur nach dem Zugebilligten.
Uns erwartet das Leben.
Wann, wenn nicht jetzt?

 

Luiza Sutter-Rehmann

 

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Das Trauerspiel von Afghanistan

Der Schnee leis stäubend vom Himmel fällt,
ein Reiter vor Dschellalabad hält,
"Wer da?" - "Ein britischer Reitersmann,
bringe Botschaft aus Afghanistan."

Afghanistan! Er sprach es so matt,
es umdrängt den Reiter die halbe Stadt,
Sir Robert Sale, der Kommandant,
hebt ihn vom Rosse mit eigener Hand.

Sie führen ins steinerne Wachthaus ihn,
sie setzen ihn nieder an den Kamin,
wie wärmt ihn das Feuer, wie Iabt ihn das Licht,
er atmet hoch auf und dankt und spricht:

"Wir waren dreizehntausend Mann,
von Kabul unser Zug begann,
Soldaten, Führer, Weib und Kind,
erstarrt, erschlagen, verraten sind.

Zersprengt ist unser ganzes Heer,
was lebt, irrt draußen in Nacht umher,
mir hat ein Gott die Rettung gegönnt,
seht zu, ob den Rest ihr retten könnt."

Sir Robert stieg auf den Festungswall,
Offiziere, Soldaten folgten ihm all',
Sir Robert sprach: "Der Schnee fällt dicht,
die uns suchen, sie können uns finden nicht.

Sie irren wie Blinde und sind uns so nah,
so laßt sie's hören, daß wir da,
stimmt an ein Lied von Heimat und Haus,
Trompeter blast in die Nacht hinaus!"

Da huben sie an und sie wurden's nicht müd',
durch die Nacht hin klang es Lied um Lied,
erst englische Lieder mit fröhlichem Klang,
dann Hochlandslieder wie Klagegesang.

Sie bliesen die Nacht und über den Tag,
laut, wie nur die Liebe rufen mag,
sie bliesen - es kam die zweite Nacht,
umsonst, daß ihr ruft, umsonst, daß ihr wacht.

Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
vernichtet ist das ganze Heer,
mit dreizehntausend der Zug begann,
einer kam heim aus Afghanistan.

 

Eine Balade von Theodor Fontane, mit der er den fürchterlichen Ausgang eines der drei anglo-afghanischen Kriege des vorletzten Jahrhunderts beschreibt. In dieser Auseinandersetzung versuchten Russen und Briten die Vormachtstellung in Zentralasien zu erringen.

 

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Ich finde, das muß man aushalten können!


Bleib erschütterbar und widersteh

Also heut: zum Ersten, Zweiten, Letzten:
Allen Durchgedrehten, Umgehetzten,
was ich, kaum erhoben, wanken seh,
gestern an und morgen abgeschaltet:
Eh dein Kopf zum Totenkopf erkaltet:
Bleib erschütterbar - doch widersteh!

Die uns Erde, Wasser, Luft versauen
- Fortschritt marsch! mit Gas und Gottvertrauen -
Ehe sie dich einvernehmen, eh
du im Strudel bist und schon im Solde,
wartend, daß die Kotze sich vergolde:
Bleib erschütterbar - und widersteh.

Schön, wie sich die Sterblichen berühren -
Knüppel zielen schon auf Hirn und Nieren,
daß der Liebe gleich der Mut vergeh . . .
Wer geduckt steht, will auch andre biegen.
(Sorgen brauchst du dir nicht selber zuzufügen;
alles, was gefürchtet wird, wird wahr!)
Bleib erschütterbar.
Bleib erschütterbar - doch widersteh.

Widersteht! im Siegen Ungeübte,
zwischen Scylla hier und dort Charybde
schwankt der Wechselkurs der Odyssee . . .
Finsternis kommt reichlich nachgeflossen;
aber du mit - such sie dir! - Genossen!
teilst das Dunkel, und es teilt sich die Gefahr,
leicht und jäh - - -
Bleib erschütterbar!
Bleib erschütterbar - und widersteh.


Peter Rühmkorf

 

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Wagt den Aufbruch ins Unbekannte

Auf dem Petersplatz vor dem Petersdom senkten die Menschen den Kopf, nachdem die Nachricht vom Tod des Papstes Johannes Paul II. verkündet worden war. Doch dann kam der Beifall, Beifall im Namen aller, die in diesem Augenblick gern dort gewesen wären, nicht um seine Tod zu beweinen, sondern um zu sagen: Wir danken dir, dass du uns die Gabe der Beharrlichkeit ins Gedächtnis gerufen hast. Wir danken dir, dass du uns die Augen für die Gabe des Glaubens geöffnet hast. Wir danken dir, dass du unser Herz mit der Gabe des Willens berührt hast. Wir danken dir, dass in einem Augenblick, in dem wir uns alle schwach gefühlt haben, dein Vorbild uns wieder Kraft gegeben hat. Wir danken dir, dass du für den Frieden eingetreten bist und gesagt hast, dass der Krieg, gleichgültig, wer Sieger ist, immer eine Niederlage für die Menschheit bedeutet. Wir danken dir, dass du uns daran erinnert hast, unseren Planeten zu achten, indem du sagtest: Ich küsse die Erde, als wären es die Hände meiner Mutter." Wir danken dir, dass du zu deiner Herde gekommen bist, die sich danach sehnte, deine Worte zu hören: Ich habe euch gesucht. Jetzt seid ihr zu mir gekommen. Habt keine Angst ins Unbekannte aufzubrechen. Geht mutig im Glauben und wisst, dass ich bei euch bin." Das sind deine Worte und wir gehen den Weg. Wir werden Tränen vergießen, aber hoffen, dass du sie nicht siehst - dass du nur unseren Beifall hörst: Johannes Paul II., der Papst der auch Pilger war.


Paulo Coelho, kurz nach dem Tod von Johannes Paul II. am 2. April 2005.

 

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Die nächsten 24 Stunden

Für alles, was uns dieser Tag bietet, offen zu sein und die positiven Erfahrungen darin zu suchen, wird nur durch unser Bemühen und gezielte Übung zu einer guten Angewohnheit. Heute ist ein besonderer Tag für uns. Die nächsten 24 Stunden werden anders sein als alle anderen. Wir sind nicht mehr dieselben wie vorher, nicht einmal wie gestern! Wir haben die Freiheit, aus allem das Beste zu machen, wenn wir uns in dem Wissen auf alle Tagesereignisse freuen, da wir in der Obhut der höheren Kraft sind. Das Leben ist uns geschenkt worden. Wir sind Überlebende. Was unserem Überleben in der Vergangenheit im Wege stand, macht uns klar, daß es noch viel zu tun gibt und uns dabei geholfen wird. Unsere Zuversicht ist noch schwankend, aber die Kraft, die wir brauchen, wird jedem von uns zuteil werden.


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Interview:

Wenn er kommt, der Besucher,
Der Neugierige und dich fragt,
Dann bekenne ihm, dass du keine Briefmarken sammelst,
Keine farbigen Aufnahmen machst,
Keine Kakteen züchtest.
Dass du kein Haus hast,
Keinen Fernsehapparat,
Keine Zimmerlinde.
Dass du nicht weißt,
Warum du dich hinsetzt und schreibst,
Unwillig, weil es dir kein Vergnügen macht.
Dass du den Sinn deines Lebens immer noch nicht Herausgefunden hast, obwohl du schon alt bist.
Dass du geliebt hast, aber unzureichend,
Dass du gekämpft hast, aber mit zaghaften Armen.
Dass du an vielen Orten zu Hause warst,
Aber ein Heimatrecht hast an keinem.
Dass du dich nach dem Tode sehnst und ihn fürchtest. Dass du kein Beispiel geben kannst als dieses:
Immer noch offen.

 

Marie-Luise Kaschnitz

 

pfeilr Immer noch offen

pfeilr Fürchte dich nicht

pfeilr Beim Namen gerufen


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Das andere Gethsemane

1914-18

The Garden called Gethsemane
In Picardy it was,
And there the people came to see
The English soldiers pass.
We used to pass - we used to pass
Or halt, as it might be,
And ship our masks in case of gas
Beyond Gethsemane.

The Garden called Gethsemane,
It held a pretty lass,
But all the time she talked to me
I prayed my cup might pass.
The officer sat on the chair,
The men lay on the grass,
And all the time we halted there
I prayed my cup might pass.

It didn't pass - it didn't pass -
It didn't pass from me.
I drank it when we met the gas
Beyond Gethsemane!

Rudyard Kipling


Übersetzen musst Du schon selbst! Aber das dürfte nicht so schwierig sein!


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Und jetzt schnell noch ein kurzes Wort zum Sommer.
Endlich Sommer? Man kann auch anderer Meinung sein. Haha!

Sommergedicht

Wenn ihn Tiere tätlich beißen,
soll der Mensch sich wortreich rächen
- wenn auf lieblich wüstenheißen
grillgeschmückten Außenflächen
Schnaken, Zecken, Wespen, Mücken
zwicken, zwacken, saugen, summen,
Zähne fletschen, Säbel zücken
und die pflaumendicken dummen
Hummeln brummeln, Spinnen rennen,
Kneifer krabbeln, Läuse pissen,
spucken, reizen, ätzen, brennen,
und dann kommen die Hornissen,
weil sie uns im feuchten Glanze
unsres Schweißes gern besuchen,
sie versenken ihre Lanze,
aber niemand hört uns fluchen,
denn von oben dröhnt das Fiepsen
all der Meisen, Amseln, Spatzen,
all dies gottverdammte Piepsen
über sonnverbrannten Glatzen -
soll der Mensch zwar regredieren,
aber groß sei seine Wut:
»Hitze Mist! Haut ab, ihr Tieren!
Sommer Kacke! Winter gut!«

Thomas Gsella

Trotz und alledem wünsche ich Dir eine schöne Ferienzeit!


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Du wolltest meinen unwiderruflichen Entschluss

Du, o Christus, forderst mich unablässig
heraus und fragst mich:
Für wen hältst du mich?"
Du bist es, der mich liebt bis in das Leben,
das ohne Ende ist.
Du öffnest mir den Weg zum Wagnis.
Du gehst mir voraus auf dem Weg zur Heiligkeit,
wo der das Glück findet,
der liebt bis in den Tod, und wo das Martyrium
die letzte Antwort ist.

Tag für Tag wandelst du das Nein in mir um in ein Ja.

Du willst nicht nur ein paar Brocken von mir,
sondern mein ganzes Dasein.
Du bist es der Tag und Nacht in mir betet,
ohne das ich darum weiß.
Mein Stammeln ist Gebet.
Im Anruf deines Namens,
Jesus, erfüllt sich unsere Gemeinschaft.

Du bist es der jeden Morgen
den Ring des verlorenen Sohnes,
den des Festes an meine Finger steckt.

Und ich, warum habe ich solange gezögert?
Habe ich die Herlichkeit Gottes gegen Ohnmacht
ausgetauscht,
habe ich den Quell lebendigen Wassers verlassen
und mir Zisternen gegraben, rissige Zisternen,
die das Wasser nicht halten?"

Du hast mich unablässig gesucht.
- Warum habe ich von neuem gezögert und mir Zeit erbeten,
um mich um meine Angelegenheiten zu kümmern?
Warum habe ich zurückgeschaut,
nachdem ich die Hand an den Pflug gelegt hatte?
Ohne es recht zu wissen, bin ich untauglich geworden,
dir nachzufolgen.
Und doch, obwohl ich dich nicht gesehen habe,
habe ich dich geliebt.
- Du hast mir wiederholt gesagt:
Lebe das Wenige, was du vom Evangelium begriffen hast.
Verkünde mein Leben unter den Menschen.
Entzünde ein Feuer auf der Erde. Komm und folge mir nach ..."

Und eines Tages habe ich begriffen:
Du wolltest meinen unwiderruflichen Entschluss

Dein Bruder Roger

 

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Gott ist nicht aus Holz

Wenn dir der Gedanke kommt, dass alles was du über Gott gedacht hast, verkehrt ist, und das es keinen Gott gibt, so gerate darüber nicht in Bestürzung. Es geht vielen so. Glaube aber nicht, dass dein Unglaube daher rührt, dass es keinen Gott gibt. Wenn du nicht mehr an den Gott glauben kannst, an den du früher geglaubt hast, so rührt das daher, dass in deinem Glauben etwas verkehrt war, und du mußt dich besser bemühen, zu begreifen, was du Gott nennst. Wenn ein Wilder an seinen hölzernen Gott zu glauben aufhört, heißt das nicht, daß es keinen Gott gibt, sondern nur, dass der wahre Gott nicht aus Holz ist.

Leo Tolstoi

 

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Und jetzt noch etwas Profanes!

Ein Gedicht welches die Liebe thematisiert. Bin vor einiger Zeit darüber gestolpert" und schon beim ersten lesen der Verse hat mich die Prosa mehr als nur tief berührt. Die Aussagen der Zeilen symbolisieren für mich eine Art Disput zwischen dem was der "Kopf", bzw. der Intellekt rational erwägt und dem was das Herz, oder die Seele intuitiv empfindet. Gleichzeitig wird die kontroverse Ausrichtung beider "Geisteshaltungen" offenkundig.


Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe


Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe


Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe


Erich Fried


Es ist was es ist - (Nur?) Ein wunderschönes Gedicht!


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Diese Zeilen von Dietrich Bonhoeffer (dem wohl „heimlichen Heiligen" der protestantischen Christen) habe ich im vergangenen Jahr in der Weihnachtszeit als „Weihnachtsgruß" an Freunde und Bekannte geschickt, es sollte einfach nicht einer der vielen Gedanken aus der Sparte der weichgezeichneten Weihnachtslyrik sein. ... Und, oh Wunder, ich habe wider Erwarten eine positive Resonanz erfahren.

Ich will Ihnen den Text natürlich nicht vorenthalten.


Dietrich Bonhoeffer schreibt aus dem Gefängnis an seine Eltern:

17. Dezember 1943

Liebe Eltern!

Es bleibt mir wohl nichts übrig, als Euch für alle Fälle schon einen Weihnachtsbrief zu schreiben. Ich brauche Euch nicht zu sagen, wie groß meine Sehnsucht nach Freiheit und nach Euch allen ist. Aber Ihr habt uns durch Jahrzehnte hindurch so unvergleichlich schöne Weihnachten bereitet, dass die dankbare Erinnerung daran stark genug ist, um auch ein dunkleres Weihnachten zu überstrahlen. In solcher Zeit erweist es sich eigentlich erst, was es bedeutet, eine Vergangenheit und ein inneres Erbe zu besitzen, das von dem Wandel der Zeiten und Zufälle unabhängig ist. Das Bewusstsein von einer geistigen Überlieferung, die durch die Jahrhunderte reicht, getragen zu sein, gibt einem das sichere Gefühl der Geborgenheit. Vom Christlichen her gesehen kann ein Weihnachten in der Gefängniszelle ja kein besonderes Problem sein. Wahrscheinlich wird in diesem Hause hier von vielen ein sinnvolleres und echteres Weihnachten gefeiert werden als dort, wo man nur noch den Namen dieses Festes hat. Dass Elend, Leid, Armut, Einsamkeit, Hilflosigkeit und Schuld vor den Augen Gottes etwas ganz anderes bedeuten als im Urteil der Menschen, dass Christus im Stall geboren wurde, weil er sonst keinen Raum in der Herberge fand, - das begreift ein Gefangener besser als ein anderer, und das ist für ihn eine wirklich frohe Botschaft.

 

Wie feiern Sie dieses Jahr die Weihnacht?

Ist es mehr eine „Zuckerbäcker-Weihnacht", süß schmeckend, gedankenlos und oberflächlich, halt so wie immer, oder ausnahmsweise eine Weihnacht, die diesen Namen auch verdient?

Ich wünsche Ihnen und denen, die Sie lieben ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2011.

Norbert Hochstrat!  

 

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Foto:© MiSa / PIXELIO