| Drahtseilakt |
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| Geschrieben von: Gereon Henkhues | ||
Es war im Oktober 1989, da trĂ€umte ich, ich stĂ€nde oben am Krater eines groĂen Vulkanes. drinnen brodelte es, eine todbringend kochende Lavamasse. Ăber dem Kraterrand war ein Drahtseil gespannt. Am FuĂe des Berges hatten sich viele Leute eingefunden. Beim nĂ€heren Hinschauen erkannte ich viele von denen wieder. Es waren Menschen, die mich nicht mochten, Menschen, die mich nicht ausstehen konnten, Menschen, die mir Wunden zugefĂŒgt hatten, Menschen, die mich nicht ernst nahmen, Menschen, fĂŒr die ich Luft zu sein schienâŠ. Sie schrieen und johlten verletzende Parolen, Schrecken erregend. Als ich so leidend vom Rande des Kraters her in die Tiefe schaute, rief plötzlich jemand von der anderen Seite: âKomm, du Seiten - Querer, es ist Zeit fĂŒr dich zu gehen.â Er warf mir eine lange Stange zu mit den Worten: âMiss, wenn du das Seil ĂŒberquerst deinen Horizont.â So begann ich zu gehen, langsam, vorsichtig, den Stab haltend und legte die Strecke , etwa 500 Meter einmal, zweimal dreimal hin und her zurĂŒck, den Horizont fest im Auge. Bald merkte ich, wie der Vulkan seine Kraft verlor bis er ganz erloschen war. Die vielen Widersacher-Menschen am FuĂ des Berges waren nicht mehr. Ein groĂe Stille breitete sich aus und ich sah Niemanden mehr. Wo waren sie geblieben? Und die Stimme erscholl: âDer Vulkan hat sie verschlungen. Sie sind tot!â ZunĂ€chst erschrocken, dann aber mit einem GefĂŒhl des GlĂŒcks, heil davon gekommen zu sein, wachte ich auf, in SchweiĂ gebadet, aber mit einem von Dankbarkeit erfĂŒlltem Herzen, so, als sei ich nach langer schwerer Krankheit wieder genesend.
Meditation SeiltÀnzer sind Akrobaten, belÀchelt, bestaunt oder beklatscht.
Wer sich aufs Seil wagt, geht aufs Ganze,
immer nur vorwĂ€rts, nie zurĂŒck blicken, weiter gehen.
Stillstand ist RĂŒckgang, lebensgefĂ€hrlich.
Wer sich aufs Seil wagt, geht aufs Ganze
Und noch etwas: Beim Seilgang darf der Stab nicht fehlen. Gleichgewicht halten, Balance finden, die Mitte sichern, darum geht es, sonst droht der Absturz.
Wer sich auf Gott einlÀsst, geht aufs Ganze.
Immer nur vorwĂ€rts, nicht zurĂŒck, im Namen des Herrn.
Im eigenen Namen droht der Schulden - Fall
Gott ruft: Komm, du bist mein, ganz.
Wer sich auf Gott einlÀsst, geht aufs Ganze.
Und noch etwas: Gott schenkt den Stab, der Zuversicht. (Vergl Ps. 23)
Damit messen wir den eigenen Horizont des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, unsere Herzensmitte.
Diese Mitte trĂ€gt uns ĂŒber das Seil, gespannt hoch ĂŒber dem Vulkan des Todes.
Wer die Mitte verliert, stĂŒrzt ab ins Meer der 1000 Schmerzen, und sinnloser Verzweiflung,
stĂŒrzt ab ins Meer der Seelenangst und Herzensarmut,
stĂŒrzt ab ins Meer der dunklen Schuld und Gottesferne.
Gott sehnt sich nach uns ganz.
Wer im Leben nur zu sieht, den Hals reckt,
wer im Leben nur Beifall klatscht, Protest schreit,
wer im Leben nur mitlĂ€uft, meinungslos unverbindlich, der wird gelebt, gottlos gesteuert von auĂen.
Das sind die vom Seil GestĂŒrzten. Die dem geistlosen Trott Verfallenen bemerken nicht einmal, wie sehr sie als lebende Tote schon bedeckt sind mit der Asche verbrannter Erdenschuld.
Im Lichte des auferstandnen Christus Jesus wĂ€chst Hoffnung FĂŒr alle auf dem Lebensdrahtseil: Nur wer sich einlĂ€sst, hinaufsteigt, Drahtseilakte nicht scheut, dem ist Christus Stab und Mitte.
Im Angesicht des sterbenden Menschensohnes starrten die Vielen auf den König der Juden, gafften und schrieen, höhnten und lachten.
Er stieg hinab in den Vulkan, durchlitt den Fall ins grenzenlose Dunkel. Er aber erstand am dritten Tag und gab den SĂŒnde triefenden Gottfernen neue Hoffnung, neues Leben.
Wer sich wirklich ein Herz nimmt, aufs Ganze geht, Gott entgegen, Drahtseilakte nicht scheut,
den werden Engel auf HĂ€nden tragen ĂŒber das Meer hin zu festem Land, dort, wo es keine Trauer mehr gibt und TrĂ€nenleid, sondern nur Freude in FĂŒlle.
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