Predigt Weihnachtsfest JKB PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Gereon Henkhues   

Predigt am Oktavtag des Weihnachtsfestes  1.Jan. 2OO6  Lj: B

Denkt daran:
Die wichtigste Zeit im Leben ist der Augenblick.
Leo Tolstoi, russischer Schriftsteller.

Liebe Schwestern, liebe Brüder.
Augenblicke bringen die Lebenswirklichkeit, in der wir stehen auf den Punkt.
Freude und Leid, Liebe und Hass, Hoffnung und  Zweifel, Erfolg und Versagen.
Augenblicke sind wie Mosaiksteine, die zusammen gesehen das Leben abbilden.
So ist es auch heute, wo wir an der Schwelle des Neuen Jahre stehen.
Wir halten inne, schauen zurück und nach vorn.
In dieser Stunde,
augenblicklich,
ist nicht reden angesagt,
sondern eher ein Suchen und fragen,
ein hören und schauen.
Deswegen blicken wir in dieser Stunde zurück und halten Ausschau auf Zukunft hin.

Jetzt und hier ist die Zeit, wo mir die Worte versagen,
weil alles gesagt oder auch nicht gesagt, weil alles erfragt oder auch ungefragt Antworten gefunden hat.
Es gab  
-    eine Zeit im Glück, tiefer menschlicher Bindungen und bergender Zuwendungen,
-    eine Zeit, enttäuschender Beziehungen, leidvoller Auseinandersetzungen und seelischer Verwundungen,
Es gab
-    eine Zeit, Lebenssinn zu finden im Dienst am Nächsten und vertrauensvoll  glaubwürdig zu sein,  
-    eine Zeit im Leben, schmerzlicher Trennungen von geliebten Menschen und sich von Anvertrautem lösen zu müssen,,
Es gab
-    eine Zeit der Freude an Gott und in ihm tief verwurzelt Liebe zu sein
-    eine Zeit der Gottesferne, lebendig nur noch fraglos zu funktionieren und dahin treibend von anderen gelebt zu werden,
Und jetzt welche Zeit bewegt mich?
-    Die Zeit von der Vergangenheit zu träumen, oder
-    die Zeit, Altes zu lassen und Neues zu wagen.

Schwestern und Brüder.
Wir leben in einer Welt, in der
ankommen und vergehen,
Ende und Neubeginn das Leben  prägt.
Und sogleich höre ich den Ruf:
Denke daran, die wichtigste Zeit in deinem Leben ist der Augenblick.

In dieser Stunde trifft die Erinnerung an das, was im vergangenen Jahr geschehen ist,
weniger unseren analytischen Verstand,
sondern eher ein verstehende Herz.
Nur vom Herzen her lassen sich die gelungenen und nicht gelungenen Lebensseiten liebevoll betrachten.

Mit großer Furcht aber auch mit Ehrfurcht blicken wir zurück wie sich das Leben im letzten Jahr gezeigt hat, im Großen, wie im Kleinen.

Die Jahresrückblicke der Rundfunk und Fernsehanstalten geben und Gelegenheit zur Dankbarkeit aber auch zur Sorge, die wir ins Gebet nehmen sollten.
Heute an der Schwelle des Neuen Jahres schauen wir auf Maria, die Begnadete. Gott erwählte sie, seiner Liebe  Gesicht, Hand und Fuß zu geben.
Auch sie hat es im wahrsten Sinn des Wortes die Sprache verschlagen.

Von Ihr hören wir im Evangelium:
Und sie bewahrte all diese Geschehnisse und Worte in ihrem Herzen.
Sie beließ es nicht beim vorübergehenden Staunen, sondern schweigend ließ sie sich berühren von dem Unvorstellbaren.
Die Worte des Engels mögen ihr dabei geklungen haben:
bei Gott ist kein Ding unmöglich.

Geht uns heute all das was in Bethlehem geschehen ist unter die Haut?
Hat die frohe Botschaft der Geburt unseres Erlösers unser Herz erreicht?
Mahatma Gandhi sagte einmal:
Euch Christen ist das Christentum nicht einmal unter die Haut gegangen, geschweige denn ins Herz.

Hier ein Wunsch schon einmal für’s Neue Jahr:
Vielleicht gelingt es ja uns hier und dort im kommenden Jahr öfter einmal inne zu halten, gelingt es uns sich in der Alltagshast und Betriebsamkeit Zeit zu nehmen für, Ruhe und Nachdenken, was Gott wohl uns sagen will, wenn Versöhnung und Güte uns herausfordern.

Ein Zweites:
Es heißt in der Schrift:
Die Hirten erzählten die Botschaft weiter, die der Engel verkündet hat und alle, die es hörten staunten.
Ganz einfache Leuten waren das.
Gott spricht weniger durch Kluge, Machthaber und Menschen mit Einfluss,
sondern eher, wie Dom Helder Camara, der Gottesstreiter für Gerechtigkeit und Frieden in Süd und Mittelamerika sagt, durch die Armen.
Sie sind sein Gesicht.

Und in der Tat:  
Der Vater hat gesprochen durch seinen Sohn in dem dieser arm wurde um uns reich zu machen.
Die ist mein Wunsch für’s Neue Jahr:

Wer zu seiner eigenen Armut und Unzulänglichkeit Ja, sagt, der kann mit der Kraft des Allerhöchsten rechnen, wie es an Maria geschah,
jeder und jede von uns kann durch sein demütiges Handeln im Alltag gleichsam zur Wohnung des Wortes Gottes werden. Dieses Wort will immer neu in uns Gestalt annehmen und durch uns in die Welt hinein geboren werden.

Und noch ein Drittes:
Die Hirten kehrten wieder zurück zu den Herden.
Der Alltag hatte sie wieder.
Das große Ereignis war vorbei.
Doch erhebliches hatte sich verändert.
Sie rühmten und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten.

Hat sich, so möchte ich fragen, seit Weihnachten auch für uns, für dich, für mich etwas verändert?
Auch uns hat der Alltag wieder.
Sind wir mit Dank und Freude innerlich berührt, friedlich gestimmt und versöhnungsbereit?
Hat das Fest uns einander näher gebracht?
Oder wie Gandhi vermisst:
Haben wir wirklich die Botschaft von Weihnachten verinnerlicht bis unter die Haut gehend und tief verwurzelt im Herzen verankert?

Mein Wunsch zum Neuen Jahr:
Schreiben wir an der Schwelle dieses neuen Jahres Lebensseiten  
Heute an Neujahr gehen gute Wünsche, Segenswünsche von Mensch zu Mensch.
Wir wünschen uns Gesundheit, Glück, ein friedliches Miteinander, kurz um: alles erdenklich Gute und Schöne.
Die meint auch, wenn wir einander segnen.
In der Lesung des heutigen Tages hörten wir.
Aron uns seine Söhne bekommen von Gott den Auftrag Gottes Segen an das Volk Israel weiterzugeben, also die Fülle des Glücks und der Freude nicht bei sich zu behalten sondern ihre Mitmenschen daran teilhaben zu lassen.

Segnen, gut wünschen ist also ein tiefer Akt der Nächstenliebe die in der Gottesliebe wurzelt.
Sich gesegnet wissen von Gott heißt selber ein Segensein für andere.
Der andere soll meinen Wunsch spüren:
Du bist von Gott angenommen und geliebt. Alle meine guten Wünsche gehören dir.
Übrigens in dieser Spur findet sich das Wort: Ich wünsche Dir einen guten Rutsch und spaßhalber wird hinzugefügt: Aber rutsch mir dabei ja nicht aus!
Dabei hat der Wunsch mit dem Rutsch ganz und gar nichts mit rutschen zutun. Der Wunsch meint etwas ganz anderes.
Rosh Hashana heißt der erste Tag des Jahres auf hebräisch. Rosh das ist das Wort für Kopf, für das Haupt. Es wird auch zur Bezeichnung für den Ersten oder den Anfang gebraucht. Und shana das ist das hebräische Wort für das Jahr.
Rosh Hashana das ist einfach der Jahresanfang.
Und einen guten Jahresanfang, den haben sich natürlich auch die Juden gewünscht.
Sie taten es aber nicht auf hebräisch, sondern auf jiddisch. Und im Jiddischen wird aus Rosh ein Rutsch. Sich also einen guten Rutsch zu wünschen, heißt  nichts anderes, als sich einen guten Anfang zu wünschen. So wünschen sich die Juden noch heute einen guten Rutsch, meint:
Viel Glück und gutes Gelingen für das neue Jahr.

Liebe Schwestern und Brüder, verbunden mit unseren Brüdern und Schwestern der Juden, mit denen wir die Botschaft der Liebe Gottes, dem Schöpfer aller Dinge, teilen, wünsch ich uns allen an der Schwelle des neuen Jahres im Namen Jesu, des Sohnes Davids einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2012.
Amen.