| Predigt2.So.JKB joh 1,35-42 |
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| Geschrieben von: Gereon Henkhues | ||
Liebe Schwestern und BrĂŒder. Die Hirten fanden das Kind, die Weisen fanden den König, und jetzt ist die Zeit an uns. Gott wurde Mensch. Wo begegnen wir ihm? Im heutigen Evangelium werden wir fĂŒndig. âAlles Leben ist Begegnungâ, sagt der Theologe Martin Buber.
Von einer solchen Begegnung am Wegesrand haben wir gerade im Evangelium gehört. Johannes dem TĂ€ufer steht mit zweien seiner JĂŒnger am Jordan. Offenbar sind sie in ein GesprĂ€ch vertieft. In diesem Augenblick geht Jesus an ihnen vorĂŒber. Der TĂ€ufer richtet seinen Blick auf Jesus und sagt zu den Umstehenden: âSeht, das Lamm Gottes,â will sagen: âSeht , das ist der Mensch, der nicht sich selbst, sondern ganz Gott gehört. Schaut ihn an!â
Dieser bekennende Fingerzeig vom TĂ€ufermacht neugierig.
Wortlos lösen sich die TĂ€uferschĂŒler von Johannes und gehen Jesus nach.
Da wendet sich Jesus um. AusdrĂŒcklich heiĂt es: âEr sah, dass sie ihm folgtenâ (Joh 1,38).
Sie blicken auf Jesus, und Jesus blickt auf sie. dann fragt er die beiden TĂ€uferschĂŒler: âWas wollt ihr?â, viel zu unverbindlich in der EinheitsĂŒbersetzung ausgedrĂŒckt. Ich habe einmal nachgeschaut Auf aramĂ€isch heiĂt Jesu Frage:âti zeteiteâ
âWas sucht ihr?â Die JĂŒnger des Johannes waren wohl Menschen auf der Suche. Auf der Suche nach besserem Leben, besser als unter der Knechtschaft der Römer. Die Umkehrpredigt des TĂ€ufers hatte sie aufgerĂŒttelt, in Ihnen die Sehnsucht nach dem Messias geweckt. Seht das Lamm Gottes!
Was sucht ihr? Diese Frage trifft die beiden ins Herz. Jesus fragt nicht danach, was sie wollen, sondern, was sie innerlich treibt, was ihre Erwartungen und SehnsĂŒchte sind. Die Antwort klingt fast verlegen: âRabbi, wo wohnst du?â Dies ist eine sehr persönliche Frage. Die beiden wollen weniger etwas von seinen Vorlieben und Gewohnheiten wissen, sondern einfach seinen Lebensraum kennen lernen, denn ihre Herzen hat er berĂŒhrt und verstanden fĂŒhlen sie sich, sie wollen bei ihm bleiben.
âWo wohnst du?â Diese Frage reicht tiefer als es die beiden JĂŒnger ahnen. Ăber das körperliches Zu-hause hinaus verweist die Frage auf eine geistige Beheimatung, einen geistigen Standort.
Denn das ist fĂŒr den Evangelisten Johannes klar: Und da können wir sein Evangelium rauf und runter lesen.
Wie kein anderer kommt Jesus von Gott. Wie kein anderer wohnt er bei Gott. Daher ist die Frage nach der Wohnung Jesu die Frage nach Gott selbst.
Aus diesem Grund nennt Jesus auch nicht seine Heimatadresse. Vielmehr erklĂ€rt er ihnen schlicht: âKommt und seht!â
âKommt und seht.â will sagen: Kommt einfach mit, öffnet euch, lasst euch vertrauensvoll auf mich ein.
Schwestern und BrĂŒder. Jesus macht den Suchenden ein Angebot.Er ĂŒberredet sie nicht, zwingt sie zu nichts. So hĂ€lt es Gott auch mit uns: immer! âDa gingen sie mit ihm.â
Auch wir finden nur zu Gott, wenn wir uns aufmachenund anfangen zu suchen sehnsĂŒchtig zu suchen,was wir lieb gewonnen haben. Der Mensch, der liebt, macht es wie Gott:
Komm mit mir und sieh! Ein alter weiser Mönch wurde einmal gefragt, wie er einen anderen Menschen zum Glauben an Christus fĂŒhren wĂŒrde. Und er sagte: âIch wĂŒrde ihn ein Jahr lang bei mir Wohnen lassen.â
Die JĂŒnger sehen und bleiben bei ihm. Und so fĂŒhrt ihr sehen , wĂ€hrend sie bei ihm bleiben zum Erkennen:
âEr ist der Messias!â Der erste, den Andreas am nĂ€chsten Tag trifft, ist sein Bruder Simon. NatĂŒrlich erzĂ€hlte er ihm, was er am Abend vorher erlebt hatte: âWir haben den Messias gefunden; will uns sagen: Wir haben den gefunden, nach dem sich jeder in der Tiefe seiner Seele sehnt.â Wir haben den Messias, die Mensch gewordene Liebe Gottes gefunden.
Im Blick auf mein Leben, dein Leben, ja unser aller Leben heiĂt dies:
âWenn ich die Begegnung mit Jesus suche, wenn er mich anschaut, dann berĂŒhrt mich durch ihn die Liebe Gottes, dann will ich nur eins: Bei ihm bleiben, in ihm sein.
Bleibt in meiner Liebe, wird Jesus spÀter ausrufen.
Durch die ErzĂ€hlung des Andreas wurde in seinem Bruder Simon der Wunsch geweckt, Jesus zu sehen. Bei der Begegnung dann ist es Jesus der die Initiative ergreift: Jesus blickt ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Petrus â Fels â heiĂenâ (Joh 1,42). Durch den Blick Jesu wurde Petrus in seinem innersten Wesen verwandelt. Jesus schaut auch uns hier und heute in dieser Stunde an, liebevoll an. Und wer von uns hat nicht sicher schon oft betend gefragt:
Herr, wo wohnst du? Zeige mir doch, wo ich mit dir sein kann. Diese Frage und das ist die Botschaft des heutigen Evangeliums bleibt nicht ohne Antwort. Komm und sieh, spricht Jesus zu mir, ich lass mich finden - dort, wo keiner hinschaut - dort, wo keiner hinhört - dort, wo der Hass regiert - dort, Verzweiflung quÀlt - dort, wo der Kummer wohnt
An mir ist es einfach bereit zu sein, sich von ihm liebevoll anschauen zu lassen, rufen zu lassen und in den Dienst stellen zu lassen, wie es Samuel tat, als er dreimal den Anruf Gottes hörte und meinte, der Priester Eli hÀtte ihn gerufen. Eli lÀsst Samuel erkennen, dass es Gottes Ruf ist, der ihn trifft. So antwortet er auf den Rat Elis: Rede, Herr, Dein Diener hört!
Herr, wo wohnst du? Lassen wir uns neu heute in dieser Eucharistiefeier liebend berĂŒhren von ihm.
âAlles Leben ist Begegnung,â Jesus macht den Anfang: âKommt und seht.â Er schaut uns an und lĂ€dâ ein zur Nachfolge, denn in der Begegnung mit ihm wĂ€chst Leben, göttliches Leben, Leben in FĂŒlle.
Amen. |