Predikt 4.So. JK.B Mk 1.21-28 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Gereon Henkhues   
JESU029G

Predigt am 4. So. i. Jk. ( Lj B )

zu Mk.1,21-28

 

 

Liebe Schwestern und Brüder.

Das ist schon außergewöhnlich, was da im heutigen Evangelium berichtet wird.  
Schauen wir einmal näher hin.
Wie immer am Shabat ging Jesus in die Synagoge, um zu lehren.
Dies geschah in Kfar Nahum, im Dorf des Nahum am Galiläischen See. Jesus kam oft und gerne hierher.
Wie immer hören die Anwesenden erwartungsvoll zu.

Was ist das, was die Menschen da von Jesus hören, das sie so in Erstaunen bringt.

Jesus ruft zu Umkehr und Buße auf.
Er spricht vom kommenden Gottesreich,
von Befreiung aus Zwang und Bedrückung,
dass Heil und Erlösung sich ankündige für Kranke, Arme und in Not geratene,  auch Blinde und Lahme dürften hoffen.

So oder ähnlich predigt er.
Die Leute sind fasziniert.
Er kommt an.
Und wie er sprach:
Klar, deutlich, ja sendungs- bewusst, überzeugt von dem was er verkündet.
Die Zuhörer ahnen: Hier redet einer, der mit göttlicher Vollmacht spricht.

Und dann passiert es:
Plötzlich schreit jemand laut auf.
Unruhe macht sich breit.
Der Blick aller richtet sich auf einen der Zuhörer.
„Der ist von einem unreinen Geist besessen,“ sagen die Leute,
denn was aus ihm tönt, ist vom Bösen.

Jesu Predigt bringt diesen Menschen zum Toben.
Der Mann fühlt sich persönlich angegriffen:
„Was hab ich mit dir zu tun, Jesus von Nazareth?“
Die Angst und Verzweiflung sind ihm ins Gesicht geschrieben.
„ Bist du gekommen, uns ins Verderben zu stürzen?“
Und:
Was er dann heraus bringt, ist nur noch Hohn und Spott:
„Ich weiß wer du bist! Du bist der Heilige Gottes.“

Eine höchst gefährliche Behauptung.
Später wird der hier spöttisch genannte „Heilige Gottes“ Jesus selbst wegen eben dieses Titels,
zu dem er sich ausdrücklich bekennen wird,
verurteilt und gekreuzigt.

Zurück zur Geschichte
Wohl unbestritten:
Wir haben es hier bei diesem Menschen mit einer Krankheit zu tun, die wohl seelisch begründet scheint.
Aber wir haben es auch mit dem Bösen schlechthin  zu tun.
Das Böse, das zerstörerisch wirkt, immer!

Heute will das so mancher nicht wahr haben,
dass es das teuflische schreckliche, Menschen und Schöpfung vernichtende Böse gibt.
Wir brauchen uns nur heute in der Welt umzuschauen: Kriege Ausbeutung, Knechtung, Missachtung jeglicher Menschenwürde.

So auch bei dem Besessenen, von dem im wahrsten Sinn des Wortes der Diabolus, auf  deutsch: der Durcheinanderbringer, der Teufel Besitz ergriffen hat.
Das kennen wir ja aus vielen Schriftzeugnissen:
Immer wenn teuflisches Handeln absolut Gutem begegnet führt dies in solcher Situation zu unerträglichen Zerreißproben im Innern des Menschen.
Genau damit hat Jesus, der absolut Gute, vollkommene Mensch in dieser Situation zu tun.

Dies ist nicht neu.
Das gibt es auch in unseren Tagen.

Wie schnell kann auch uns jedwedes Kranksein, betrogen werden
aus der Bahn werfen.
Außer sich geraten, nicht mehr Herr der Lage sein, verzweifelt Jammern, klagen, die eigene Hilflosigkeit mit Wut im Bauch lautstark heraus schreien.

Ich habe es selbst einmal erlebt bei einer Begegnung,
wie jemand „außer sich“ geraten, elendiglich klagt:
Warum, warum ich? Warum lässt Gott das, was man mir angetan hat zu?
Ich habe gebetet oft und es hat nicht geholfen.
Jaa, ja! Gott mag es ja geben, aber für mich nicht. Ich hasse Gott!

In der Schrift heißt es:  
Da blickt Jesus den Mann an und befiehlt             
„ Schweig! Verlass ihn!“

Mehr sagt er nicht.
Kein Aufbrausen.
Keine Beschwörung beim lebendigen Gott

(wir erinnern uns an den Hohenpriester Kajafas, als er auf Jesus zu geht und ausruft:  Wer bist du? Ich beschwöre dich beim lebendigen Gott: Bist du der Sohn Gottes?)

Dies hat Jesus nicht nötig, er muss nicht beschwören
denn er ist von Gott.
„Schweig! Verlass ihn!“

Und es zeigt Wirkung:
Es ist so als entflöhen gleichsam alle Ängste, Widersprüche und Aggressionen  mit Getöse aus dem Körper des Kranken.
Übrig blieb, wie ein Sprichwort sagt, nichts als Schall und Rauch
Noch einmal:

Was passiert da eigentlich?
Jesus nimmt den Menschen fest in den Blick,
lässt ihn die Kraft seiner Nähe spüren
und er signalisiert
Ich bin bei dir.
Du bist nicht verloren.

Dies zeigt augenblicklich Wirkung.
Die guten und heilenden Kräfte, tief verschüttet  im Kranken,
werden neu geweckt.
Der Mann überwindet  Ängste, Neurosen und Minderwertigkeitsgefühle, die ihn fesseln.                                     
Er ist geheilt.

Liebe Schwestern liebe Brüder,
Dies ist wirklich eine Ermutigungsgeschichte.
Auch so etwas, wie ein Beginn des heil Werdens,  gibt es bei uns im Alltag.

Da ruft mich in der Nacht ein Mensch in größter Verzweiflung an.
Er weint und  klagt über Schreckliches, was ihn widerfahren ist.
Er ist schwer krank, deswegen reicht sein Lebenspartner die Scheidung ein, ganz allein und auf sich gestellt, scheint ihm die Decke auf den Kopf zu fallen.
Glauben kann er schon lange nicht mehr.
Er hält sein Leben nicht mehr aus,
greift zum Telefon
und ich höre, lange, sehr lange zu
und als ich endlich ihm zu verstehen geben will,
wie sehr mich diese seine Situation berührt innerlich,
da wird er still.
Nach einigen ermutigenden Worten, werde auch ich still.
So schweigen wir etwas.

Dann plötzlich spricht er:
Ich danke Ihnen, dass sie für mich Zeit hatten und zugehört haben.
Man hört mir nicht mehr zu.
Bis dahin.
Es hat dann noch mehrere Gespräche gegeben und Hilfe wurde dann auch möglich.

Liebe Schwestern und Brüder.
Auch heute hat Jesus keine anderen Hände, als unsere.
Wir Christen leben
in ihm,
in Christus bewegen wir uns
und sind wir, wie es Paulus ausdrückt.

So lebt auch in einem jeden von uns Gottes Kraft.  
Als Getauft und Gefirmte lässt Gott mit unseren Händen auch heute seine Kraft wirksam werden, in dem wir für ihn Zeugnis geben in Wort und Tat, sei es gelegen oder ungelegen, aber auch in Worten

-    der Ermutigung
-    des Trostes
-    der bergenden Nähe
-    Hoffnung
-    der aufhelfenden Tat
-    selbstlos liebender Zuwendung

Jesus schaute den Besessenen an und es wirkte.
Gott will auch durch uns im Namen seines Sohnes Jesus Christus
sein Heil wirken.

Wir feiern Eucharistie und halten gleich Mahl miteinander.
Beten wir einmal das Gebet vor der Kommunionausteilung heute ganz bewusst:
Herr ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach,
aber sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund.
AMEN!